Der Islam ruht auf zwei miteinander verbundenen Grundlagen: Islam, den äußeren Gottesdiensthandlungen, und Iman, der inneren Überzeugung des Herzens. Die sechs Säulen des Iman legen genau fest, woran ein Muslim glauben muss. Sie entstammen einem der bekanntesten Hadithe der gesamten islamischen Überlieferung — dem Hadith des Jibril — aufgezeichnet in Sahih Muslim und Sahih Bukhari.
Die Quelle: der Hadith des Jibril
Eines Tages erschien der Engel Jibril (as) vor dem Propheten ﷺ in Gestalt eines Mannes und stellte ihm eine Reihe von Fragen über die Religion. Als er nach dem Iman fragte, antwortete der Prophet ﷺ: „Es ist, an Allah zu glauben, an Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten, den Jüngsten Tag und an das göttliche Dekret — an sein Gutes und sein Schlechtes.“ (Bukhari, Muslim) Der Prophet ﷺ sagte danach zu seinen Gefährten: „Das war Jibril, der euch eure Religion lehren kam.“ Diese sechs Punkte bilden seitdem die anerkannte Definition des Iman.
Die sechs Säulen im Überblick
1. Glaube an Allah (Tauhid)
Die erste und größte Säule ist der Glaube an Allah — einen Gott, allein, ohne Partner oder Gleichen. Das bedeutet, Sein Dasein zu bejahen, Seine Herrschaft über die gesamte Schöpfung, Seine einzigartigen Namen und Eigenschaften und das ausschließliche Recht, das Er hat, angebetet zu werden. Der Koran fasst diese Wirklichkeit in knappster Form zusammen: „Sag: Er ist Allah, Einer.” (Al-Ikhlas 112:1) Alles im islamischen Gottesdienst — Gebet, Fasten, Almosen, Gedenken — fließt aus dieser Überzeugung.
2. Glaube an die Engel
Muslime glauben, dass Allah Engel aus Licht erschaffen hat, Wesen, die Ihm niemals ungehorsam sind und jeden Seiner Befehle ausführen. Einige werden im Koran und in der Sunna namentlich genannt: Jibril (der die Offenbarung brachte), Mika'il (mit Regen und Lebensunterhalt beauftragt), Israfil (der am Ende der Zeiten in die Posaune bläst) und der Todesengel. Zwei Engel begleiten jeden Menschen und zeichnen seine Taten auf. Der Glaube an die Engel verbindet uns mit einer unsichtbaren Welt der Ordnung und des Dienstes an Allah.
3. Glaube an die göttlichen Bücher
Allah sandte Schriften zur Leitung der Menschheit: die Suhuf (Schriftrollen) an Ibrahim (as) und Musa (as), die Taurah (Thora) an Musa, den Zabur (Psalmen) an Dawud (as), das Indjil (Evangelium) an 'Isa (as) und den Koran an Muhammad ﷺ. Wir glauben an alle diese Bücher. Frühere Schriften wurden jedoch im Laufe der Jahrhunderte verändert, während der Koran unverändert geblieben ist — im ursprünglichen Arabischen bewahrt — wie Allah es versprochen hat.
„O ihr, die ihr glaubt, glaubt an Allah und Seinen Gesandten und das Buch, das Er Seinem Gesandten herabgesandt hat, und die Schrift, die Er zuvor herabgesandt hat. Und wer Allah, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten und den Jüngsten Tag verleugnet, ist weit irregegangen.”
Sure An-Nisa, 4:1364. Glaube an die Propheten und Gesandten
Allah sandte Propheten und Gesandte zu jedem Volk in der Geschichte, die die Menschen aufriefen, Ihn allein anzubeten. Der Koran nennt fünfundzwanzig von ihnen namentlich, darunter Ibrahim, Musa, 'Isa und Dawud (Friede sei mit ihnen allen). Muslime glauben an alle Propheten ohne Bevorzugung oder Ablehnung — auch nur einen abzulehnen bedeutet, alle abzulehnen. Der letzte Prophet und Gesandte ist Muhammad ﷺ, nach dem kein neuer Prophet kommen wird.
5. Glaube an den Jüngsten Tag
Der Jüngste Tag umfasst alles vom Ende dieser Welt bis zum endgültigen Einzug in das Paradies oder die Hölle. Er beinhaltet: das Blasen in die Posaune, die Auferstehung aller Menschen, das Stehen vor Allah, die Abwägung der Taten auf der Waage (Al-Mizan), das Überqueren der Brücke (As-Sirat) und Allahs endgültiges Urteil. Der Glaube an den Jüngsten Tag verleiht jeder Tat Gewicht und Bedeutung — nichts geschieht folgenlos, und nichts, was aufrichtig um Allahs willen getan wird, geht je verloren.
6. Glaube an das göttliche Dekret (Qadar)
Die sechste Säule ist der Glaube an Qadar — dass Allah Wissen von allen Dingen hat, bevor sie eintreten, dass Er alles in Al-Lawh Al-Mahfuz (der Bewahrten Tafel) aufgezeichnet hat, und dass nichts außerhalb Seines Willens und Seiner Schöpfung geschieht. Dies nimmt die menschliche Wahl und Verantwortung nicht weg; vielmehr verankert es das Herz des Gläubigen. Für eine tiefere Auseinandersetzung, siehe unsere Anleitung zum Verstehen des Qadar.
Diese sechs Säulen sind keine abstrakte Theologie. Sie prägen die Absicht (Niyyah) hinter jeder Tat, die Richtung jedes Gebets und die Beständigkeit des Herzens in jeder Prüfung. Warum aufrichtige Absicht so tief zählt, erklärt unser Leitfaden zur Niyyah im Islam.
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