Im Islam ist Großzügigkeit kein Privileg der Reichen — sie ist ein Gottesdienst, der allen offensteht. Zwei Begriffe tauchen am häufigsten auf, wenn Muslime über Wohltätigkeit sprechen: Sadaqah (صدقة) und Zakat (زكاة). Beide beinhalten Geben um Allahs willen, beide tragen immense Belohnungen und reinigen das Herz von Anhänglichkeit an weltliche Güter. Dennoch sind sie ihrem Wesen nach verschieden: eine ist verpflichtend und genau berechnet, die andere freiwillig und unbegrenzt im Umfang.
Was ist Sadaqah?
Das Wort Sadaqah leitet sich von der arabischen Wurzel ṣ-d-q (صدق) ab, was Wahrheit oder Aufrichtigkeit bedeutet. Sadaqah zu geben ist daher ein Akt der Aufrichtigkeit — ein Beweis, dass dein Glaube echt ist und deine Liebe zu anderen wirklich. Im islamischen Recht bezeichnet Sadaqah im weiteren Sinne jede freiwillige Tat des Gebens oder der Güte, die rein um Allahs willen vollbracht wird. Sie ist nicht auf Geld oder Waren beschränkt, sondern umfasst körperliche Taten, Worte und sogar Ausdrücke der Freude.
مَّن ذَا الَّذِي يُقْرِضُ اللَّهَ قَرْضًا حَسَنًا فَيُضَاعِفَهُ لَهُ أَضْعَافًا كَثِيرَةً
Quran 2:245„Wer ist es, der Allah ein gutes Darlehen gewährt, sodass Er es für ihn vielfach multiplizieren kann?“ (Quran 2:245). Der Vers stellt jede Tat des Gebens als ein Darlehen dar, das Allah selbst zurückzahlt — um ein Vielfaches vermehrt. Das ist das Versprechen hinter der Sadaqah: Sie geht nie verloren, sie wird nur verwandelt.
Sadaqah vs. Zakat: Die wichtigsten Unterschiede
Zakat ist die dritte Säule des Islams, eine verpflichtende jährliche Zahlung auf anrechenbares Vermögen. Sie gilt, wenn ein Muslim Vermögen oberhalb der Nisab-Grenze — entsprechend 85 Gramm Gold — für ein vollständiges Mondjahr besessen hat. Von solchem Vermögen sind genau 2,5% geschuldet. Zakat hat acht bestimmte Empfängerkategorien, die in Sure At-Tawbah (9:60) festgelegt sind. Sadaqah hingegen ist vollständig freiwillig, hat keinen Mindestbetrag, keinen festen Prozentsatz und kann jederzeit an jeden gegeben werden.
Die vielen Formen der Sadaqah
Hier wird Sadaqah wirklich bemerkenswert. Der Prophet ﷺ beschrieb Sadaqah in so weiten Begriffen, dass fast jede gute Tat dafür in Frage kommt:
- Geld, Essen oder Waren an Bedürftige geben.
- Ein Lächeln — der Prophet ﷺ sagte: ‘Dein Lächeln ins Gesicht deines Bruders ist Sadaqah.’ (Tirmidhi)
- Etwas Schädliches vom Weg entfernen — einen Stein, einen Dorn, einen weggeworfenen Gegenstand.
- Ein freundliches Wort — jemanden aufmunternd anzusprechen wird als Sadaqah aufgezeichnet.
- Jemandem den Weg zeigen, der sich verirrt hat.
- Nützliches Wissen teilen — den Quran lehren, das Gebet erklären oder einen anderen Menschen begleiten.
Die Belohnung: Sadaqah mindert das Vermögen nicht
„Wohltätigkeit mindert das Vermögen nicht.“ — überliefert von Abu Hurairah (ra). (Muslim)
Gelehrte erklären diesen Hadith auf zwei Ebenen. Spirituell gesehen wird alles, was man gibt, in Belohnung und Barakah um ein Vielfaches zurückgegeben. Praktisch baut ein großzügiger Mensch Vertrauen, Wohlwollen und Gemeinschaftsbande auf, die seinen Lebensunterhalt schützen. Der Prophet ﷺ sagte auch, dass Sadaqah Sünden auslöscht wie Wasser das Feuer löscht. (Tirmidhi)
Sadaqah Jariyah: Die Wohltätigkeit, die dich überlebt
Eines der tiefgründigsten islamischen Konzepte ist Sadaqah Jariyah (صدقة جارية) — eine anhaltende, fortwährende Wohltätigkeit. Der Prophet ﷺ sagte: „Wenn ein Mensch stirbt, enden seine Taten außer dreien: Sadaqah Jariyah, nützliches Wissen oder ein rechtschaffenes Kind, das Dua für ihn macht.“ (Muslim) Ein Brunnen in einem trockenen Dorf, ein Quran, der aus einem von dir gespendeten Buch vorgelesen wird, eine Lektion, die Schüler über Generationen weitergeben — diese verdienen noch lange nach dem Tod des Gebers Belohnungen.
Um dein Geben durch Bittgebet zu vertiefen, lies über den Adab des Bittgebets.
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